KADO
Blumenweg
Ikebana, die japanische Blumenkunst, bedeutet wörtlich lebende Blume, gebildet aus ikeru, leben und hana, die Blume. Also ist Ikebana die Kunst, die Blumen zum Leben zu bringen. Durch die feinsinnige Ordnung eines Blumenarrangement erlaubt die japanische Blumenkunst, das natürliche Gleichgewicht der Natur wiederzufinden und dadurch die Seele der Natur darzustellen.
Der andere Name für die japanische Blumenkunst ist das Wort Kadô: Blumenweg jene Wanderung des Menschen zu einem Weg der Weisheit und Eigentlichkeit, der zu den wesentlichen Tiefen des Seins führt. Die Kunst Blumen zu ordnen ist nach Daisetz T. Suzuki „…. Ausdruck einer viel tieferen Sicht des Lebens. Die Blumen müssen auf eine Weise angeordnet werden, dass sie uns von den „Lilien auf dem Felde“ träumen lassen, von denen gesagt wird, dass Salomon in seinem Glanz ihrer Pracht nicht gleichkam. Bashô, ein japanischer Dichter des XVIIten Jahrhunderts betrachtete mit Hochachtung die bescheidenste Wildblume denn sie bezeugt das tiefste Geheimnis der Natur, das eine „Kunst ohne Kunst“ ist. (Vorwort zu La Voie des fleurs de Gusty L. Herrigel, Ed. Dervy).
Die Entscheidung, sich auf diesen Weg zu begeben, hat eine unendlich schwierige Bedingung zur Voraussetzung: die Beharrlichkeit. Zwar brauchte man vielleicht nicht allzu viel Zeit, um die verschiedenen traditionellen Formen dieser oder jener Schule auswendig zu lernen oder sie auf eine oberflächliche Weise zu kopieren. „Aber derjenige, der hinter die Erscheinungen kommen will, bemerkt, dass der Fortschritt in dieser Kunst eine langsame Entwicklung und eine innere Reifung zur Voraussetzung hat…“ wie es G. Herrigel ausdrückt. Sie sagt auch. diese Kunst ist keine Schule der Geschicklichkeit, keine Übung der Handfertigkeit, sie ist eine Erfahrung des Seins.“
Die Komposition eines Blumenarrangements beruht auf Regeln, die der Komposition einen philosophischen Sinn geben. Obwohl es zahlreiche Ikebana-Schulen gibt, ist das Prinzip der Dreiheit die Grundlage der Blumenarrangements. Die universelle Ganzheit kann in drei Ebenen aufgeteilt werden: der Himmel, der Mensch, die Erde. Das ist ein spirituelles Prinzip, das eine kosmische Bedeutung hat, da die Zahl Drei die erste der Zahlen der Schöpfung ist. „In der kreisförmigen Bewegung der Triade nimmt der Mensch die Mitte zwischen dem Himmel und der Erde ein. Er wird erhalten von dem erhabenen Element und unterstützt vom irdischen Element, in dem er seine Wurzeln hat. Auf diese Weise ist er mit dem «Herzen von Allem» vereint…“ G. Herrigel.
Das Prinzip der Drei erlaubt durch seine Asymmetrie einen Zugang zu einer neuen Schöpfung, die durch die Ganzheit von Himmel-Mensch-Erde unterstützt wird. Das Leben drückt sich so durch dieses Ungleichgewicht, dieses Gefühl des Unvollendeten aus und strebt nach Harmonie. Sich mit dem «Herzen der Blumen» zu vereinen führt die größte Tiefe des Ichs.